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Der Rasentraktor guillotinierte Ende Februar erste Blüten,
sorgte für gleiche Höhe, für nur eine Farbe. Und abends
warf die enorme Bildschirmdiagonale
Angst in die guten Stuben.

Pro Braunkohle-Mietmäuler drangen in die Presse, zogen
schwermütigen Bogen übers Cello Vergangenheit, heulend
von Hölle und Weltende…

Dreißig Menschen warfen ihre beste Hose, ihr edelstes Hemd
über, liefen damit in den Sumpf, versanken aufrecht, bis der
luftlose Morast über ihren Häuptern zusammenschlug.

Dreißig Menschen im besten Hemd, in ihrer guten Hose,
Rabattkarten in den Hosentaschen, öffneten die Augen
im Morast und sahen schwarz.

Allein nun hämmert der Rasentraktor über den gepflasterten
Hof, noch immer Vollzug meldend. Schweigen unterm
Carport zwei Autos, Pupillen und Zylinder unbewegt.
Benutzte Handtücher im Bad mit den zwei Waschbecken.

Vor guter Laune berstende, muntere Sprecher der
Privatradios unterbrechen Kirmesschlagertechno,
nennen Trockenheit schönes Wetter.

Dreißig Menschen, wollen ihr Dasein für immer ohne
Sauerstoff zubringen. Siebzig möchten atmen, sich
über etwas freuen, täglich.
Siebzig-dreißig, seltsame Schaukel.

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